Irdische Milchstraße


Um 820 wurden - verschiedenen Überlieferungen zufolge - die Gebeine des Apostels Jacobus in Santiago de Compostela (auch: Compostella)entdeckt. In den folgenden Jahren entwickelte sich in immer schnellerem Maße der Jacobskult. Die alte Handelsstraße, die Narbonne, Toulouse und Oleron Sainte-Marie und den Pyrenäenpaß Col du Somport mit Jaca und Pamplona verband, entwickelte sich im 11. Jahrhundert zu einem Pilgerweg, der schon bald den Namen Jacobsweg erhielt und kurz darauf "la voie lactée" ("die Milchstraße") hieß. Santiago de Compostela war abgeleitet von Sanctus Iacobus compos stellae und bedeutete soviel wie "Meister, Herrscher des Sterns".
Der heilige Jacobus wurde in der Regel mit einer an einen Gänsefuß erinnernden Muschel, dem fünfstrahligen Stern, dem Meisterstab (abacus)und mit einem Hund dargestellt. Zur Erinnerung: Am Ende der himmlischen Milchstraße befindet sich das Sternbild des großen Hundes, dessen Hauptstern der Sirius ist, von dem es heißt: "der hocherhabene, (..) der die Wasser (der Weisheit) weithin strömen läßt". Hierher gehört auch der Begriff der Jacobsleiter, der untrennbar mit dem Apostel Jacobus verbunden ist.

Die Baumeister entlang des Jacobsweges ließen ihre Kirchen nach einer Idee errichten, die fest in der Bibel verankert ist. Im Alten Testament ist die Rede von der Bundeslade. Wir erfahren aus der Bibel, daß die Bundeslade in ihrem Äußeren dem Bau des Tempels Salomos glich.
Der Grundgedanke, den der Apostel Paulus später wieder aufgriff, war, daß der Mensch der kleine Tempel innerhalb des großen Tempels Gottes sei.
Eine Legende besagt, der Leichnam des Apostels Jacobus habe zuletzt in Santiago unter einer Steinplatte seine letzte Ruhestätte gefunden. Die Steinplatte allerdings schmolz wie Wachs und gleich einem Tempelbau bildete sich der Leib um. Dieser Gedanke war es, der die Impulse gab für die Entstehung der Gralslegende. Nicht zuletzt war es diese Idee, die zum Rosenkreuzertum führte und damit entscheidenden Anteil an der Entstehung der Reformation hatte.
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