Die Freimaurer
Es scheint heute festzustehen, daß die Freimaurerei und das Rosenkreuzertum die gleichen Wurzeln haben. Diese reichen zurück bis in biblische Zeiten.
Wie bereits auf anderen Seiten erwähnt, gingen bestimmte - uralte biblische Gedanken und Ideen nicht verloren, sondern wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Zu diesem Gedankengut gehörten, wie wir sahen, vor allem jene Vorstellungen vom Mikro- und Makrokosmos, wonach jeder Mensch der kleine Tempel im großen sei oder sein solle.
Offenbar war für die Entwicklung der Dombauhütten, aus denen sich bekanntlich die Freimaurerei entwickelte, von Bedeutung, daß Konstrukteure und Handwerker, die in Südfrankreich (Occitanien) und Nordspanien zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert die entsprechenden Kirchen schufen, einer Bauhütte angehörten, die in späterer Zeit den Namen "Les Enfants du Maitre Jacques" ("Kinder von Meister Jakob")trug. Die Ursprungslegende der französischen Compagnons, die Johannes den Täufer als ihren Patron erwählt hatten, führt "Meister Jakob" auf jenen Vorarbeiter zurück, der unter der Leitung von Hiram Abiff die Säulen Jakin und Boas ("Weisheit und Stärke") am salomonischen Tempelbau errichtete und später mit 12 Compagnons und 40 Schülern über das Meer nach Marseille in die Provence gelangte, um sich in der Einsiedelei von Sainte-Baume niederzulassen.
Alle Impulse, die während des Mittelalters von Santiago de Compostela ausstrahlen sollten, waren mit dem Ideal verknüpft, den äußeren Tempelbau mit seinen Zahlenverhältnissen als Entsprechung zum "inwendigen Tempel", dem Allerheiligsten der Seele, zu errichten, als ein Bild des Mikrokosmos, das seinerseits als Abbild des göttlichen Makrokosmos verstanden wurde.
Es heißt in den Legenden, der Baumeister Juan de Atarés habe als erster einen solchen Tempel am Jacobsweg errichtet. Es scheint so, als ob hier eine Anknüpfung an die Legende vom Salomonischen Tempel und dessen Baumeister Hiram versucht wird. Hiram stammte aus dem Geschlecht des Tubal-Kain ("von dem sind hergekommen alle Erz- und Eisenschmiede"). Dieser hatte nach der Überlieferung das Geheimnis der Metallverarbeitung und des -handwerks von seinem Ahnen Kain empfangen. Tatsächlich bedeutet der Name "Kain" (Qayin) im Hebräischen sowohl "Lanze, Speer" als auch "Metall schmieden".
In der sogenannten "Tempel-Legende" wird erzählt: Der Kainssohn Hiram (Adoniram) soll für König Salomon den Tempel des Herrn errichten. Kurz vor der Vollendung des Baus wird Hirams Meisterstück, das Eherne Meer, von seinen Gehilfen aus Eifersucht zerstört. Verzweifelt stürzt sich Hiram in das auflodernde Feuer und dringt so bis zum Mittelpunkt der Erde vor, wo ihm sein Ahne Tubal-Kain begegnet. Hiram erfährt von den weisheitsvollen "Büchern des Tau".
Von Tubal empfängt er das Goldene Dreieck und einen (T-förmigen) Hammer. Zurückgekehrt, stellt er sein Werk, das "Eherne Meer" wieder her. Vor seiner Ermordung durch seine neidischen Gesellen wirft er das Dreieck in einen tiefen Brunnen. Nur, wer in sich selbst, so heißt es, einen höheren Tempel baue, finde es wieder.
Die Freimaurer nahmen diese Legende auf. Bei einigen Logen gab es diesbezügliche Fragen und Antworten anläßlich der Erreichung eines bestimmten Grades (Johannisgrad). Sie lauten:
Wie heißen Sie als Lehrling? Tubalkain.
Warum also? Zum Andenken des großen Mannes, der die Kunst des Eisens erfand und dadurch einer der Wohltäter der menschlichen Gesellschaft wurde.
Was stellt die Loge vor? Den Tempel Salomonis, den die Freymaurer auf eine mystische Art wieder herstellen.
Welches ist die Gestalt der Loge? Ein längliches Viereck.
Wie lang ist sie? Vom Morgen bis zum Abend. Wie breit ist sie? Von Mitternacht bis Mittag.
Wie tief ist sie? Von der Oberfläche bis zum Mittelpunkt der Erde.
Warum haben die Freymaurer den Tempel Salomonis zum Sinnbild gewählt?
Um sie zu erinnern, daß sie in ihren Herzen der Tugend einen Tempel, in eben dem Grade, den der Tempel Salomonis hatte, aufbauen sollen.*
Auf die wechselvolle und recht umstrittene Geschichte der Freimaurerei kann hier aus Platzmangel nicht weiter eingegangen werden.Mehr über dieses Thema erfahren Sie unter http://www.celtoslavica.de/ oder
http://www.asamnet.de/~muennicg/silb/silb11.htm
*(nach Hermann Schüttler - Abdruck dieses Beitrages: Der Bund der
deutschen Freimaurer In: Quatuor-Coronati-Jahrbuch 30, Bayreuth 1993, S.139-146 )