Gral IV
Wolfram von Eschenbach, war, wie wir wissen, selbt Ritter. Es scheint so zu sein, daß er tatsächliche Geschehnisse seiner Zeit mit in die Handlung einbezog. Zumindestens verwendete er einige Namen von Rittergeschlechtern, die es zu seiner Zeit wirklich gab.
So heißt es bei ihm, daß der junge Parzifal im ritterlichen Zweikampf einen Mann tötete, von dem er später erfuhr,daß es sein eigener Verwandter war. Der Name des Getöteten: Herr von Ither. Es ist bekannt, daß es im 13. Jahrhundert und vorher ein solches Geschlecht gegeben hat. So lebten von 1213 bis 1242 Konrad von Itter, von 1254 bis 1321 Heinemann von Itter und von 1326 bis 1385 Adolf von Itter. Man kann also mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß der im "Parzifal" genannte Herr von Ither wirklich gelebt hat. Daß die Schreibweisen voneinander abweichen, ist dabei unerheblich.
Soweit mir bekannt ist, gibt es bisher kaum Untersuchungen, woher die Namen im Epos Parzifal stammen. Daher unternehme ich einen Versuch, ihre Herkunft und frühere Bedeutung zu ermitteln.
PARZIFAL: Cretien von Troyes und andere nennen den Haupthelden ihres Epos Percefal. Das scheint auch wirklich der Urname zu sein. Perservere bedeutet im Englischen beharren und in der Tat ist Parzifal in Wolframs gleichnamigen Werk der "Beharrende", der Stete, der im Glauben zwar zeitweise an Gott irre wird, aber durch seine Beharrlichkeit das Ziel dennoch erreicht und den Gral erringt. Wolfram von Eschenbach spricht bereits in der Einleitung von dem Steten (staeten) und dem Unsteten, dem Gläubigen und dem Ungläubigen.
HERZELOYDE. Zu diesem Namen braucht man nicht viel zu sagen. Er wird ohnehin oft als Herzeleide übersetzt. Der Grund für die Trauer dieser Frau, die Mutter Parzifals, ist der frühe Tod ihres Gatten Gahmuret, der ein wildes Leben führte. Vergeblich versucht Herzeloyde ihren Sohn davon
abzubringen, Ritter zu werden und stirbt bald nach dem Weggang des Sohnes.
GAHMURET. Wenn man das "h" in diesem Wort wegläßt,dafür aber ein "m" setzt,
so erhalten wir die Wortteile gam und muret .
"gam" bedeutet sicherlich "Spiel", oder aber "Jagdwild" bzw. "wilde Tiere des Waldes". m"muret" könnte von "mourn" abgeleitet sein, was soviel weie trauern bedeutet. Nichts anderes macht Herzeloyde, die ehemalige Gattin Gahmurets: sie
betrauert unentwegt ihren verstorbenen Mann, der sich wie
ein Spieler, wie ein unbedachtes Wildtier im Leben bewegte und so den Tod fand.
CONNDWIRAMUR. Auch dieser Name muß zunächst in seine Bestandteile zerlegt werden: Sie lauten "Cond", "wir" "amur",.
Cond ist sicherlich von "Countess" abgeleitet, das heißt von Gräfin, die Silbe "wir" eventuell von very , das heißt sehr, und "amur" von ammorous, was nichts anderes als verliebt bedeutet. Zusammen bedeutete Condwiramur dann: die "Gräfin, die sehr verliebt" ist oder die "liebende
Gräfin". Ihre Liebe, so stellt Wolfram von Eschenbach es da, war so groß, daß sie ihren Mann Parzifal durch alle Gefahren und Wirrnisse hindurchgeleitete.
SIGUNE. Das englische Wort "sign", von dem Sigune wahrscheinlich abgeleitet wurde, bedeutet Wink, Zeichen oder Wegweiser ("signpost"). Sigune gibt einige Male Parzifal Ratschläge und Tipps, die diesen immer wieder auf den rechten Weg bringen.
ANFORTAS. Dieser Name scheint leicht übersetzbar zu sein.
Die Vorsilbe stellt den englischen unbestimmten Artikel "an" dar, der sowohl ein als auch eine bedeuten kann und der andere Teil ist offenbar von "Fortress" abgeleitet, was
im Deutschen Festung bedeutet.Die Aussprache im Englischen unterscheidet sich nicht zu sehr von Fortas, zumindestens nicht für deutsche Zuhörer, die nicht mit
dem Englischen vertraut sind. Wenn in der Ursage mit Anfortas wirklich König Salomo gemeint war, wie ich es
in meinem Buch "Die Entschlüsselung drei großer Weltgeheimnisse" darstelle, dann braucht man nicht lange nach der Bedeutung des Wortes zu fragen. Luther dichtete
zum Beispiel das Lied "Eine feste Burg ist unser Gott" und
in einer katholischen Litanei heißt es über Maria: "Du goldenes Haus " und an einer anderen Stelle "Du Turm
Gottes". In diesem Sinne ist Salomo die Festung des Reiches Israel, die Festung des jüdischen Glaubens.
TITUREL. Im Englischen heißt adelig u. a. "titled" und bedeutet in diesem Sinne: Ehrenbezeigung, gleichzeitig
auch Anspruch.
Das heißt mit anderen Worten: Titurel, der nach meiner Auslegung der Ursage König David darstellt,
ist derjenige, der mit der Ehre versehen ist, der von höchstem Adel ist, der einen Anspruch auf höchste Ehren hat. Das geht auch aus der Erwähnung seiner weißen Haare
hervor. Dieses Attribut hat lediglich noch Jesus oder Gott-Vater. In der Offenbarung des Johannes heißt es über den Menschensohn: "Sein Haupt aber und sein Haar war weiß
wie weiße Wolle, als der Schnee." -
Wenn man bedenkt, daß die Menschen im Orient meistens dunkelhaarig sind, ist allein schon die Vorstellung eines
hellhaarigen Menschen eine besondere Ehrung, weil er sich aus der Masse heraushebt. Im deutschen Sprachgebrauch kennen wir den Ausdruck "Titularkönig",der für einen König gilt, der nicht mehr in Amt und Würden ist.
REPANSE DE SCHOYE: Auch der Name Repanse scheint nicht schwer zu deuten zu sein. Das Wort "repent", das in Repanse enthalten sein könnte, bedeutet "bereuen".
Angesichts der Situation, in der sich der Herrscher Anfortas und seine Untertanen befanden, erscheint es
durchaus glubwürdig, daß sie das Geschehene bereuen.
Aber noch ein anderes Wort könnte den Namen Repanse bilden und diese zweite Erklärung wäre noch stichhaltiger
als die erste. "Re" bedeutet in verschiedenen Wendungen im Englischen als auch im Deutschen soviel wie zurück oder wieder und "pangs" bedeutet im Englischen plötzliche
Schmerzen aber auch Qualen. Das würde bedeuten, daß die Silben "re" und "pangs" zusammen wiederkehrende
Qualen bedeuten, vor allem dann, wenn man sich das "g", das ohnehin kaum mitbetont wird, wegdenkt. Eine
wahrhaft gute Erklärung für den Zustand, den die Bewohner täglich empfanden, wenn von Repanse der Gral
vor den König niedergesetzt und dann das Schwert bzw. die Lanze durch den Saal getragen wurde, wobei ein
"Aufstöhnen" aller vernehmlich wurde. Der ergänzende Name "de Schoye" wird weiter unter erklärt.
TREVRIZENT. Die erste Silbe des Namens könnte gut von dem englischen Wort "thrive" abgeleitet worden sein, was soviel wie gedeihen bedeutet, "recent" hingegen heißt u. a. neu oder frisch. Weitere Wörter, die ähnlich klingen, heißen "recast", das heißt umformen, oder "receive",
empfangen. Das könnte bedeuten, daß mit dem Namen Trevrizent folgendes gemeint ist: Bei dem Einsiedler
gedieh der Glaube Parzifals neu. Er empfing von ihm Trost und Rat, der ihn umformte, so daß er nunmehr in der Lage war, den Gral zu erringen, nachdem ihn bisher die Zeifel
an Gott und an sich selbst daran hinderten.
FRIMUTEL. Die drei Namen Frimutel, Terredelaschoy und Mazadan scheinen bereits die wichtigsten Problemstellungen zu kennzeichnen, die das ganze Epos "Parzifal" durchlaufen. Frimutel und Terredelaschoye stellen in ihren Namen die Gegensätze da, von dem das
Werk lebt. Frimutel besteht aus den Silben "Fri" und "mutel". Fri wird sicherlich soviel wie frei bedeuten, da das deutsche "frei" im Englischen ja auch so gesprochen wird. Die Silbe "mutel" könnte von ""mud" abgeleitet sein. Eigentlich bedeutet dies Schlamm,, aber als "muddie"
bedeutet es noch vielmehr, nämlich