Tempelritter
Das Autorenteam Michael Baigent, Richard Leigh und Henry Lincoln unterzog sich gegen Ende des letzten Jahrhunderts der mühevollen
Aufgabe, Licht in das Dunkel zu bringen, welches den heiligen Gral und den Templerorden seit Jahrhunderten umgibt. Ihnen ist es zu verdanken, daß vieles bis dahin
Verborgene zutage kam. Unter anderem berichten sie in ihrem Buch "Der heilige Gral und seine Erben" davon, daß in den Prozeßakten zu den Verfahren gegen die Tempelritter
davon die Rede ist, daß man im Pariser Ordenshaus neben
anderen konfiszierten Gegenständen das Kopfreliquiar einer Frau fand, das folgendermaßen beschrieben wurde:
"...ein großer Kopf aus vergoldetem Silber, wunderschön gearbeitet und eine weibliche Büste darstellend. In ihm befanden sich zwei Schädelknochen, die in weißen Linnen
eingewickelt und dann noch einmal in ein rotes Tuch eingeschlagen waren. Daran war ein Schild mit der
Aufschrift befestigt Caput LVIIIm."
Die genannten Autoren übersetzten Caput richtigerweise mit Kopf, also hieß das Ganze jetzt Kopf LVIIIm, in arabische Zahlen umgesetzt hieß das: Kopf 58m. Sie fügten hinzu, daß sie keine Erklärung für diese seltsame Zahlen- und Buchstabenkombination finden könnten und daß dieses Rätsel wohl nie gelöst werden würde. Sie
vergaßen dabei allerdings, daß Caput nicht nur Kopf bedeutet, sondern auch Kopfzeile oder Überschrift. In
vielen alten lateinischen Büchern ist diese Bezeichnung zu finden. Es erscheint durchaus möglich, nein sogar sinnvoll,die genannte Kombination so zu verstehen. Meiner Meinung läßt sich daraus schließen, daß hier eine Stelle in der Bibel
gemeint ist. Noch heute werden die Bibelstellen in ähnlicher Weise abgekürzt. Im Klartext: Es ist
anzunehmen, daß LVIIIm (58m) bedeutet: 5. Buch; 8. Kapitel, Moses.
Der Text, den wir dort finden, ist für das gesamte Juden- und Christentum von außerordentlicher
Bedeutung. Noch eine viel größere Bedeutung wird er für die Tempelritter gehabt haben. Es handelt sich dabei um eine Ermahnung zur Dankbarkeit an Gott. Hier der Text:
"Alle Gebote, die ich dir heute gebiete, sollt ihr halten, daß
ihr darnach thut, auf daß ihr lebet, und gemehret werdet,
und dahinkommt, was einnehmet das Land, daß der Herr euren Vätern geschworen hat.
Und gedenke alles des Wegs, durch den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf daß er dich demütigte, und versuchte, daß kund würde, was in
deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.
Er demütigte dich, und ließ dich hungern, und speiste dich
mit Man, das du und deine Väter nie gekannt hattest; auf daß er dir kund thäte, daß der Mensch nicht lebet vom Brot allein, sondern von allem, das aus dem Munde des Herrn gehet.
Deine Kleider sind nicht veraltet an dir, und deine Füße sind nicht geschwollen diese vierzig Jahre.
So erkennset du ja in deinem Herzen, daß der Herr, dein Gott, dich gezogen hat, wie ein Mann seinen Sohn zieht.
So halte nun die Gebote des Herrn, deines Gottes, daß du in seinen Wegen wandelst, und fürchtest ihn.
Denn der Herr, dein Gott, führet dich in ein gut Land, ein Land, da Bäche und Brunnen und Seen inne sind, die an
den Bergen und in den Auen fließen.
Ein Land, da Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel innen sind; ein Land, da Ölbäume und Honig innen wächst.
Ein Land, da du Brot genug zu essen hast, da dir nicht mangelt; ein Land, dessen Steine Eisen sind, da du Erz aus den Bergen hauest.
Und wenn du gegessen hast, und satt bist, sollst du den Herrn, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.
So hüte dich nun, daß du des Herrn, deines Gottes, nicht vergessest, damit du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst.
Daß, wenn du nun gegessen hast und satt bist, und schöne Häuser erbauest und drinnen wohnest.
Und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehret.
Daß dein Herz sich nicht erheben, und vergesset den Herrn, deines Gottes, der dich aus Ägyptenland geführtet hat, aus dem Diensthause.
Und hat dich geleitet durch die große und grausame Wüste,
da feurige Schlangen und Skorpione und eitel Dürre und kein Wasser war; und ließ ein Wasser aus dem harten
Felsen gehen.
Und speiste dich mit Man in der Wüste, von welchem deine Väter nichts gewußt haben, auf daß er dich demütige
und versuche, daß er dir hernach wohlthäte.
Du möchtest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir dieses Vermögen
ausgerichtet.
Sondern gedenke an den Herrn, deinen Gott, denn Er ist's, der die Kraft giebt, solch mächtige Thaten zu thun, auf daß er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen
hat, wie es gehet heutigen Tages.
Wirst du aber des Herrn, deines Gottes, vergessen, und anderen Göttern nachfolgen, und ihnen dienen, und sie anbeten, so bezeuge ich über euch, daß ihr umkommen werdet.
Eben wie die Heiden, die der Herr umbringet vor eurem Angesicht, so werdet ihr auch umkommen, darum daß ihr nicht gehorsam seid der Stimme des Herrn, deines Gottes."-
Die Tempelritter hatten wirklich allen Grund ihrem Herrn dafür zu danken, denn dem Heiligen Land verdankten sie ihren Reichtum. Ähnlich beschwerlich wie seinerzeit die Juden unter Moses vierzig Jahre in der Wüste Sinai umherwanderten und dabei große Strapazen erdulden
mußten, so war es auch den Kreuzfahrern und mit ihnen den
Tempelrittern ergangen. Es war nur unter allergrößten Anstrengungen gelungen, die Araber aus dem Heiligen
Land zu drängen. Der Erfolg war stets nur kurzfristig gesichert. Wie wir aus zuverlässiger Quelle wissen, gelangen einige Kreuzzüge nur, weil die Tempelritter die allergößte Tapferkeit bewiesen. Wahrscheinlich wußten die Tempelritter nur zu gut, daß große Erfolge schnell
hochmütig machen. Darum die Warnung Gottes, demütig zu bleiben, darum der Text aus dem 5. Buch Moses, Kapitel 8.
Der Hochmut der Templer war es am Ende (neben ihrem sagenhaften Reichtum) auch, der König Philipp von
Fankreich wütend und neidisch zugleich werden ließ, was
schließlich zur Gefangennahme der Templer durch die Schergen des Königs führte und schließlich zur Hinrichtung. Der zitierte Bibeltext scheint daher wie für die Tempelritter geschaffen worden zu sein.
Welche Bewandtnis hat es nun mit dem silbernen Kopf und den darin befindlichen Reliquien? Um diese Frage
beantworten zu können, muß man wissen, daß im 11. und 12. Jahrhundert die Verehrung Maria Magdalenas in Frankreich, vor allem im Süden des Landes, ihrem
Höhepunkt zustrebte. Überall wurde nach Gebeinen gesucht, die von ihr stammen könnten. In alten Schriften wird Maria Magdalena mit Sophia, d. h. Weisheit bezeichnet. Genau das aber bedeutete auch der bärtige Kopf, den die Tempelritter anbeteten: Chokmah (= Weisheit.
Wenn man sich die "Beweise" der Inquisiteure gegen die Templer einmal genauer ansieht, so steigt der Verdacht auf, daß die Gemeinschaft der Tempelritter durchaus nicht jene
"teuflische" Gruppierung war, wie es der König von Frankreich, Phillip der Schöne, der Welt weisgemacht hat.
Geständnisse, die unter der Folter zustande kommen, waren damals genauso wenig wert wie sie es heute sind.
Wir wissen, daß manche Frau, die als Hexe angeklagt war, lieber gestand, eine solche zu sein und dadurch den Tod auf dem Scheiterhaufen hinnahm, als sich weiter foltern zu lassen. Nachdem der Wissenschaftler Hugh J. Schonfield durch Decodierung des Wortes "Baphomet," nachweisen
konnte, daß der bärtige Kopf mit gleichem Namen, den die Tempelritter seinerzeit kniend angebetet haben, nichts anderes darstellt als Weisheit- als das jüdische Chokmah - sollte ein Umdenken hinsichtlich der Templer erfolgen.